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Obwohl der nachfolgend gewürdigte Verstorbene kein Autor des Weissdorn-Verlages war, möchten wir an dieser Stelle an ihn erinnern, da er Pionierarbeit auf einem vernachlässigten Gebiet des Naturschutzes und der Speziellen Biologie geleistet hat.
Folgenden Personen sei für Ihre Unterstützung durch die Bereitstellung von Informationen und Fotos gedankt:
Doris Foitzik (Lippersdorf)
Juliane Foitzik (Köln)
PD Dr. habil. Christiane Roscher (Halle/Saale)
Prof. Dr. habil. Reinhard Predel (Köln)
Dr. Hans-Joachim Zündorf (Jena)


Zum Tode von Dipl.-Biol. Oliver Foitzik

Am 20. November 2017 ist Oliver Foitzik im Alter von 50 Jahren in Berlin gestorben – neun Jahre nach der Diagnose seiner unheilbaren Erkrankung. Er ist vor allem als Mykologe in Erscheinung getreten, hat allerdings nur ein schmales Werk hinterlassen. Bekannt ist sein Name besonders unter jenen, die sich mit phytoparasitischen Pilzen befassen. Er war der Autor der ersten gesamtdeutschen Roten Liste dieser Pilzgruppe (Foitzik 1996).

Oliver Foitzik wurde am 16.12.1966 als mittleres von drei Kindern einer Lehrerin und eines Finanzökonomen in Jena geboren. Die Familie lebte in einem kleinen Dorf unweit von Stadtroda (Thüringen). Nach dem Schulbesuch (Abitur 1984) nahm er im gleichen Jahr ein Studium der Biologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf. Schon zu Beginn des Studiums fiel er durch überdurchschnittliche Pflanzenkenntnisse auf. Schnell fand er den Weg in´s Institut für Spezielle Botanik und Herbarium Haussknecht und begann mit dem Studium phytoparasitischer Pilze. Als Diplomarbeit legte er eine Zusammenstellung der bis dato vom Gebiet der ehemaligen DDR bekannten Echten Mehltaupilze (Erysiphales) vor (Foitzik 1990).

Bezüglich seiner weiteren akademischen Karriere wurde er ein Opfer der politischen „Wende“ 1989/90: Eine zugesagte Stelle bei der Akademie der Landwirtschafts­wissenschaften, wo er über VA-Mykorrhiza forschen sollte, entfiel ersatzlos. Er entschloss sich daraufhin, nochmals zu studieren, brach ein Medizinstudium jedoch nach dem bestandenen Physikum ab. In den 1990er Jahren unternahm er mehrere Sammelreisen nach Mittelasien, darunter auch in den damals kaum zugänglichen Iran. Seine Aufsammlungen werden im Herbarium Haussknecht (Jena; JE) aufbewahrt.

Oliver Foitzik war kurzzeitig verheiratet, aus dieser Verbindung stammt ein heute 19jähriger Sohn. Er war äußerst vielseitig begabt und interessiert. Bereits in der 3. Klasse nahm er Klavierunterricht und begleitete viele Jahre lang die Gottesdienste in der Kirche seines Heimatdorfes auf der Orgel. Neben biologischen Themen interessierten ihn vor allem einige Felder der Geisteswissenschaften. Intensiv beschäftigte er sich u.a. mit verschiedenen Religionen, besonders mit dem Judentum, sowie mit mittelasiatischen und kaukasischen Sprachen. In seinen letzten Lebensjahren arbeitete er in einer Naturschutzstation in Berlin. Außerdem war er Mitglied eines Vereines zur Erhaltung alter Gemüsesorten.

Viele Dinge, die er sich vorgenommen hatte, konnte er nicht realisieren, sei es wegen der ständigen Sorge um seinen Lebensunterhalt oder zuletzt wegen seiner Erkrankung. Nicht zum Abschluss kamen seine Studien über wirtswechselnde Rostpilze auf Seggen (Carex), und auch der Traum von einer eigenen Gärtnerei in seinem Heimatort Lippersdorf erfüllte sich nicht. Mit Oliver Foitzik haben alle, die ihn kannten, einen stets interessanten Gesprächspartner, viele einen guten Freund verloren. Wir werden ihn nicht vergessen und sein Andenken in Ehren halten.

Dr. Gerald Hirsch (Jena)

Literatur:
Foitzik, O. (1990): Morphologische und floristische Vorarbeiten zu einer Flora Germanica der Echten Mehltau-Pilze (Erysiphales). – Unveröff. Diplomarbeit, Friedrich-Schiller-Universität Jena. 94 + 6 S.
Foitzik, O. (1996): Provisorische Rote Liste der phytoparasitischen Pilze (Erysiphales, Uredinales et Ustilaginales) Deutschlands. – Schriftenr. Vegetationskde. 28: 427 – 480.


Foto: R. Predel


Foto: C. Roscher


Foto: R. Predel